IN FORM

Im Wasser. Zu Hause.

Wie die junge Profischwimmerin Johanna Schikora die Corona-Krise nutzt, um sich außergewöhnliche sportliche Ziele zu setzen, und welche Rolle gesunde Ernährung für die Jugendweltmeisterin im Flossenschwimmen spielt.

Johanna Schikora am Beckenrand im Schwimmbad

Johanna Schikora liebt Wasser. Sie machte das Element kurzerhand zu ihrem Beruf. Heute ist sie Jugendweltmeisterin über 400 und 1500 Meter im Flossenschwimmen. Die Corona-Pandemie hat auch ihren Rhythmus durcheinandergebracht. Wir sprachen mit ihr über neue Herausforderungen und neue Chancen, schlechtes Gewissen und guten Antrieb.

IN FORM: Training ist ja ganz viel Routine und Rhythmus. Für viele ist durch die Corona-Krise da vieles durcheinander gebracht worden. Wie sind Sie damit umgegangen?

Johanna Schikora: Mein Trainer und ich haben versucht, die Routine so gut es geht beizubehalten. Ich habe weiterhin täglich zwei Mal trainiert: Zu Hause auf der Matte, auf dem Rad oder in Laufschuhen. Zuerst hat das ganz gut funktioniert, mit der Zeit fiel es mir jedoch immer schwerer, mich zu motivieren. Denn an dem Ort zu trainieren, wo ich mich normalerweise vom Training regeneriere, war ziemlich hart für mich. Besonders, weil ich kein nahes Ziel hatte.

Das Gefühl kennen viele: Zu Hause ist es viel schwieriger, sich zu motivieren und in die Gänge zu kommen. Sie mussten das ja schaffen. Haben Sie Tipps? Was hilft, um auch zu Hause fit und aktiv zu bleiben?

Johanna Schikora: Mein Tipp ist es, diese außergewöhnliche Zeit zu nutzen, um sich außergewöhnliche Ziele zu setzen. Ich wollte zum Beispiel unbedingt einen stabilen Kopfstand hinbekommen. Und TA DA: Ich habe es geschafft. Ein zweiter Tipp, der damit zusammenhängt, ist Abwechslung. Es gibt unendlich viele Übungen für zu Hause, die man ausprobieren kann. Im Internet gibt es auch für wenig Geld gutes Zubehör, zum Beispiel Widerstandsbänder, einen Pezzi-Ball, Kettlebells und so weiter. Mit solchen Hilfsmitteln macht das Training viel mehr Spaß und wird gleichzeitig effektiver. Um leichter in die Gänge zu kommen, empfehle ich ebenfalls, mit neuen, spaßigen Übungen zu beginnen. Für mich war es zum Beispiel Yoga.

Kann das Training zu Hause den Gang ins Fitness Studio eigentlich dauerhaft ersetzen? Was sollte man beachten?

Johanna Schikora: Ich denke, dass ist zielabhängig. Die Ausdauer ist mit Laufen und Radfahren meiner Meinung nach auch sehr gut zu Hause trainierbar. Klar ist es einfacher, mit Geräten Muskulatur aufzubauen und sie zu erhalten. Mit dem Training zu Hause, besonders mit den oben genannten Hilfsmitteln, ist jedoch sowohl Muskelerhalt als auch unter Umständen -aufbau möglich. Interessant ist, dass man gezwungen ist, neue Übungen zu machen. So spricht man wahrscheinlich sogar ganz andere Muskelgruppen und koordinativen Fertigkeiten gezielt an, die beim Gerät nicht bislang kaum gefordert wurden. Bei der Beanspruchung vieler Muskelgruppen und Verbesserung der Koordination fallen mir sowohl Stabilitäts- als auch Dehnungsübungen ein, die allein durch Gerätetraining das Training an Geräten nicht gegeben, aber enorm wichtig für die Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit sind.

Wie weiß ich als Anfänger ohne professionelle Begleitung eigentlich, was das gesunde Maß an Sport für mich ist?

Johanna Schikora: Beim gesunden Maß an Sport ist es genauso wie bei der Ernährung – es ist extrem individuell und muss ausprobiert werden. Klar gibt es Richtlinien, die durchaus hilfreich sind. Ich denke, Pauschalaussagen wie "dreimal die Woche 60 Minuten" sind ein gutes Maß, müssen aber immer angepasst werden. Es muss ja auch nicht immer gleich hartes Training sein – man kann sportliche Betätigung auch sehr gut in den Alltag einflechten, in dem man mit mit dem Rad zur Arbeit fährt. Außerdem kann man an der Arbeit die Treppe nutzen und nicht den Fahrstuhl. Ich denke, hier kann jeder kreativ werden.

Stichwort Ernährung: Welche Rolle spielt die richtige Ernährung – für Sie als Spitzensportlerin, aber auch für engagierte Freizeitsportlerin?

Johanna Schikora: Für mich ist die richtige Ernährung natürlich besonders wichtig, weil meine Leistung davon abhängt. Deshalb muss ich vor allem darauf achten, dass ich meinem Körper genügend Nährstoffe zuführe, damit er die geforderten Leistungen auch ständig bringen kann. Aber auch für jeden Menschen spielt Ernährung eine große Rolle: Sie bestimmt zum Beispiel, wie leistungsfähig der Körper und das Gehirn ist oder welche Hormone gerade ausgeschüttet werden – also wie wir uns fühlen.

Muss man eigentlich komplett auf Genussmittel verzichten, wenn man fit werden will?

Johanna Schikora: Ganz klar: Nein! Wenn man sich alles verbietet, macht das Ganze doch gar keinen Spaß mehr. Wenn die Basis stimmt, man sich also grundlegend ausgewogen ernährt, kann man sich auch mal etwas erlauben. Und was ganz wichtig ist: Das sollte man ohne schlechtes Gewissen tun können – die Genussmittel also auch wirklich "genießen".

Egal, unter welchen Bedingungen: Antrieb ist ein sehr wichtiger Faktor, um Leistung zu erbringen. Was ist Ihrer? Und wie schaffen Sie es, dauerhaft dabei zu bleiben und Sport zu einem Teil Ihrer täglichen Routine zu machen?

Johanna Schikora: Mein Antrieb ist das Gefühl, wenn ich ein Rennen schwimme, anschlage und eine neue Bestzeit geschwommen bin. Es ist einfach unbeschreiblich. Deshalb habe ich mir als Ziel gestellt, mich voll auf den Sport konzentrieren zu können und ihn zu meinem Beruf zu machen. Dank der Spitzensportförderung der Bundeswehr ist mir das möglich. Nun ist das Training wie mein Job – ich trainiere bis zu sechs Stunden am Tag und ich kann mir momentan auch keinen besseren Beruf für mich vorstellen. Ich denke gar nicht mehr darüber nach, ob ich Lust aufs Training habe oder nicht. Das würde ich bei dem Trainingspensum gar nicht durchhalten. Natürlich kenne ich es aber, wenn es schwer ist, sich zu motivieren. Mir hilft immer der Gedanke an das Gefühl danach: Lässt man eine Trainingseinheit weg, fühlt man sich schrecklich. Hat man sich so richtig ausgepowert, fühlt man sich wie ein neuer Mensch.